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aktuell
Rüstungshaushalts, was sich bislang als
erheblicher Hemmschuh für EUropas Mi-
litaristen erwiesen hat. Deshalb wird im
Reformvertrag (Artikel 28, Absatz 3) der
Europäischen Union erstmalig die Mög-
lichkeit eröffnet, einen als ,,Anschub-
fonds" bezeichneten Wehretat aufzustel-
len.
4. Keine parlamentarische Kontroll-
mög-lichkeit von EU-Interventionen:
Über EU-Kriegseinsätze entscheiden al-
lein die Staats- und Regierungschefs. Das
Europäische Parlament hat im Reform-
vertrag (Artikel 21) lediglich das Recht
,,angehört" und ,,unterrichtet" zu werden,
mitentscheiden darf es nicht. Da auch der
Europäische Gerichtshof in diesem Be-
reich keinen Einfluss besitzt, wird somit
die Gewaltenteilung in der entscheiden-
den Frage von Krieg und Frieden de facto
aufgehoben.
5. Kerneuropa - nur wer Krieg führt,
darf mitbestimmen:
Mitglieder, die sich militärisch hierfür
qualifiziert haben, indem sie an den wich-
tigsten Aufrüstungsprogrammen teil-
nehmen und Interventionstruppen (Batt-
legroups) zur Verfügung stellen, können
eine ,,Ständige Strukturierte Zusammen-
arbeit" eingehen, mit der das eigentlich
für den außen- und sicher-
heitspolitischen Bereich geltende Kon-
sensprinzip ausgehebelt wird (Artikel
28e, Absatz 6). Das Einstimmigkeits-
prinzip bezieht sich ,,allein auf die Stim-
men der Vertreter der an der Zusammen-
arbeit teilnehmenden Mit-gliedstaaten."
6. Machtverschiebung zugunsten der
Großmächte:
Schon die EU-Verfassung sah mit der
sog. doppelten Mehrheit eine dramatische
Verschiebung der Machtverhältnisse im
wichtigsten EU-Gremium, dem Rat der
Staats- und Regierungschefs, vor.
Deutschland verdoppelt damit seinen
Stimmanteile im Rat von 9% auf 18.2%
(die anderen Gewinner sind Frankreich,
Großbritannien und Italien). Mit dem Re-
formvertrag (Artikel 9c) wird diese dra-
matische Machtverschiebung im Jahr
014 als gängige Praxis eingeführt.
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Während soziale Sicherheit nur noch als
Standortnachteil und Auslaufmodell gilt,
wird militärische ,,Sicherheit" zur neuen
Heilslehre erhoben - koste es was es wol-
le. Wir fordern deshalb: Nein zur Milita-
risierung EUropas! Nein zum EU-
Reformvertrag!
Infostelle Militarisierung (IMI)
Manifest zur NATO-Reform:
Nach einem Bericht der britischen Tages-
zeitung The Guardian wurde es in den
vergangenen Tagen den Führungsspitzen
des Pentagon in Washington und der
NATO in Brüssel vorgestellt, im April
soll es auf dem NATO-Gipfel in Bukarest
diskutiert werden. Verfasst haben das Pa-
pier fünf ehemalige Topgeneräle der
NATO und Generalsstabschefs ihrer
Länder, u.a. Klaus Naumann aus
Deutschland.
Mit ihrem Vorschlag für einen nuklearen
Erstschlag auch gegen Nichtatom-
waffenstaaten wie Iran greifen die Auto-
ren des »radikalen Manifests« (The
Guardian, 22.1.08) die Vorgaben aus den
USA auf ­ wohl wissend, dass die gegen
jedes Völkerrecht verstoßen. In Washing-
ton wird seit längerem bereits öffentlich
über Pläne für begrenzte Nuklearschläge
gegen Teherans zivile Atomanlagen dis-
kutiert. Dabei spielt keine Rolle, dass
sowohl die Internationale Atomenergie-
behörde der UNO als auch der US-
Geheimdienst CIA bestätigt haben, dass
Iran kein militärisches Atomprogramm
unterhält.
Während des sogenannten Kalten Krieges
war der Ersteinsatz von Atomwaffen im
Fall einer Auseinandersetzung mit dem
Warschauer Vertrag der wichtigste Fak-
tor der NATO-Doktrin. Ostern 1999 ­
Bomben des Aggressionsbündnisses zer-
störten gerade die zivile Infrastruktur von
Belgrad ­ wurde auf dem Gipfel in Wa-
shington das »Neue Strategische Kon-
zept« der NATO abgesegnet.
Darin wurde der Ersteinsatz von Nukle-
arwaffen im Konfliktfall auch gegen
Nichtatomwaffenstaaten ausge-dehnt.
Wenn sich Jugoslawien seinerzeit also
gegen den NATO-Überfall gewehrt und
in seiner Verzweiflung chemische Waf-
fen gegen den Einmarsch eingesetzt hät-
te, dann hätte die NATO laut »Neuem
Strategischen Konzept« mit Atomwaffen
zurückschlagen können.
Dem nun vorgelegten »Manifest« zufolge
soll der Atomwaffeneinsatz noch einfa-
cher werden. Die NATO soll in Zukunft
einen Konflikt bereits mit dem Erstein-
satz von Atomwaffen beginnen können,
wenn es gegen verdächtige Weiterverb-
reiter solcher Waffen geht.
Hauptsächlich geht es in dem Manifest
um die Stärkung des westlichen Imperia-
lismus. Den Verfassern zufolge stehen
Glaubwürdigkeit und Zukunft der NATO
in Afghanistan »auf der Kippe«.
Atomkrieg für westliche Werte?
Um die Welt vor der Weiterverbreitung von Atomwaffen zu schützen, soll die
NATO zukünftig ihre eigenen einsetzen. Dieser Wahnsinnsvorschlag ist in einem
150 Seiten umfassenden »Manifest« zur Reform des westlichen Militärbündnis-
ses enthalten.
Zugleich sehen sie das Militärbündnis mit
anderen Bedrohungen konfrontiert, etwa
»politischem Fanatismus und religiösem
Fundamentalismus«. Überhaupt ­ so die
Autoren ­ seien unsere »westlichen Wer-
te« und »unsere Lebensart« bedroht.
Deshalb müsse die NATO schlagkräftiger
werden, und deshalb müssten EU und
NATO aufhören, miteinander um Ein-
fluss zu streiten. Notwendig sei ein neues
»Direktorium« mit Vertretern aus den
USA, aus der EU und von der NATO,
das schnell auf Krisen reagiert. Auf nati-
onale Vorbehalte einzelner Mitglieder,
wie derzeit im Afghanistan-Krieg, dürfte
in Zukunft keine Rücksicht mehr ge-
nommen werden. Zugleich, so die fünf
Verfasser, müsse die NATO bereit sein,
Krieg ohne UN-Mandat zu führen.
Mit ihrem Manifest fordern die Generäle
zum schlimmsten Kriegsverbrechen ü-
berhaupt auf, nämlich zu einem Angriffs-
krieg mit Atomwaffen. Beschämend, dass
auch der deutsche General a.D. Klaus
Naumann als ehemaliger Vorsitzender
des NATO-Militärausschusses bei den
Kriegsver-brechern in vorderster Front
steht. Laut Guardian macht Naumann die
Bundes-regierung »für die Auflösungser-
schein-ungen in der NATO verantwort-
lich«, weil die Bundeswehr nicht an allen
Kampfhandlungen in Afghanistan tei-
nehmen darf.
Rainer Rupp, in Junge Welt, 24.1.08
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