background image
magazin
Kleinwaffen:
Planet der Waffen
Abseits der Scheinwerfer, in den Straßen
von Bagdad oder in den staubigen Dör-
fern von Darfur, kann ein guter Schütze
mit einem Maschinengewehr drei bis vier
Menschen in einer Minute töten. Voraus-
gesetzt, sie bewegen sich nicht.
Drei bis vier Tote, das mag sich im nuk-
learen Zeitalter nicht besonders drama-
tisch anhören. Denkt man an satellitenge-
steuerte Bomben und Bio-waffen, scheint
so ein Sturmgewehr nichts zu sein, vor
dem man sich allzu sehr fürchten muss.
Doch laut dem Kinderhilfswerk UNICEF
sind 90 Prozent der Kriegstoten Opfer
sogenannter Kleinwaffen. Das heißt: Jede
Minute stirbt ein Mensch an einer Ge-
wehrkugel, einer Handgranate oder einer
Landmine - aufs Jahr hochgerechnet -
insgesamt 500.000 Menschen. Es ist nicht
übertrieben, zu sagen, dass Kleinwaffen
die eigentlichen Massen-vernichtungs-
waffen unserer Zeit sind.
Wie viele Kleinwaffen es weltweit gibt,
weiß niemand. Das Genfer Institut für In-
ternationale Studien im Small Arms Sur-
vey 2006
schätzt, das sich global ca. 230
Millionen Kleinwaffen in Armee- und
Polizeibesitz befinden. Dazu kommen all
die privaten Waffen sowie die circa acht
Millionen neuen, die jährlich produziert
werden. Unicef schätzt die Gesamtzahl
auf 600 Millionen. Ein riesiges Reservoir.
Wer einen Krieg führen will, zapft es ein-
fach an.
Kleinwaffen werden vorwiegend in den
Industriestaaten produziert und in der
Regel legal an Militär- und Polizeieinhei-
ten in alle Welt exportiert. Durch den il-
legalen Waffenhandel und Beutewaffen
geraten Kleinwaffen zudem in die Hände
von Guerillaeinheiten, Milizen und Kin-
dersoldaten.
Deutschland ist mit Abstand der größte
Kleinwaffenexporteur in der EU. Der
bedeutendste deutsche Kleinwaffen- und
Munitionsexporteur ist die Firma Heckler
& Koch in Oberndorf.
Es gibt keinen einfachen Weg, um die
aus der Verbreitung von Kleinwaffen ent-
standenen Probleme schnell in den Griff
zu bekommen. Angesichts der Millionen
von Kleinwaffen, die bereits zirkulieren,
und dem nicht endenden Nachschub an
modernen Waffen und Munition wird es
Jahre dauern, bis neue Kontrollmecha-
nismen greifen. Auf Kon-ferenzen der
UN international verbind-liche Regeln
gegen die Verbreitung der Kleinwaffen
durchzusetzen sind bisher immer wieder
gescheitert. Zuletzt im Sommer 2006 am
Veto des Sicherheits-ratsmitglieds USA.
Ohne Rüstung Leben setzt sich im Deut-
schen Aktionsnetz Kleinwaffen Stoppen
(DAKS) dafür ein das:
- international rechtlich verbindliche Re-
gelungen zur Reduzierung und Kontrolle
von Produktion, Handel, Weiterverkauf,
Lizenzierung, Einsatz und Endverbleib
von Kleinwaffen und Munition verab-
schiedet werden
- international rechtlich verbindliche
Mechanismen zur effektiven Markierung
und Überwachung von Kleinwaffen und
Munition eingeführt werden
- alle Exporte von Kleinwaffen und Mu-
nition, die zur Verletzung der Men-
schenrechte, des humanitären Völker-
rechts oder zu Kriegsverbrechen bei-
tragen können, verboten werden.
Paul Russmann, "Ohne Rüstung leben"


Termine
7.-9. März, Berlin
Alternativen zu Krieg und Be-
satzung
Internationale Irakkonferenz zum 5.
Jahrestag des Krieges
Freitag, Humboldt-Universität: 20 Uhr: Podiums-
diskussion "Der Krieg gegen den Terror" - Afgha-
nistan, Irak, Iran - Strategie der USA und ihrer Ver-
bündeter im Nahen und Mittleren Osten
Samstag, Humboldt-Universität: 9.30 Uhr: Bilanz
von fünf Jahren Besatzung, 13 Uhr: Besatzung,
Bürgerkrieg, Terror - Ursachen der Gewalt. 16 Uhr:
Lösungsansätze für ein Ende der Besatzung An-
schließend: Podiumsdiskussion
Sonntag, 9. März 2008, Haus der Demokra-
tie,Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin
10-14 Uhr: Projektgruppen, Abschlussplenum
Anmeldung Email: kontakt irakkonferenz2008.de.
Erwünschter Unkostenbeitrag Freitag: 5 Euro,
Samstag: 8 Euro, Freitag & Samstag: 12 Euro, (Ge-
ringverdiener die Hälfte)
40. Todestag von Martin Luther King
Kings gewaltfreier Kampf gegen
Rassismus, Armut und Krieg
mit Prof. Dr. theol. Heinrich Grosse,
Hannover
31. März 08, Heidelberg
1. April 08, Freiburg,
2. April 08, Offenburg
3. April, Karlsruhe
20 Uhr Bonhoeffer-
Haus, Gartenstr. 29a,
Kontakt : Sonnhild und Ulli Thiel, Alberichstr. 9,
76185 Karlsruhe, Tel. 0721-552270, eMail :
suthiel@t-online.de
7. -8. Mai, Tübingen
20 Jahre Kultur des Friedens
Mit Konstantin Wecker, Eugen Drewer-
mann, Hans-Peter Dürr, Elisabeth Hart-
nagel und vielen anderen
Interessierte an der Vorbereitung dieser Konferenz
melden sich bei Gesellschaft Kultur des Friedens,
Am Lustnauer Tor 4, 72074 Tübingen Tel. 07071-
52200, info@kulturdesfriedens.de,
www.kulturdes
friedens.de
Samstag, 07. - 08.Juni, Hannover:
Internationaler Afghanistan-Kongress

"
Dem Frieden eine Chance --
Truppen raus aus Afghanis-
tan!"
,
Pavillion, Lister Meile 4,
Trägerkreis (Netzwerk Friedenskooperative, Bunde-
sausschuß Friedensratschlag, DFG/VK, ...)
Kontakt:
Netzwerk Friedenskooperative, Römerstr. 88, 53111
Bonn, Tel.: 0228/692904, Fax: 0228/692906,
frie-
koop@friedenskoopera tive.de
Foto: Friedensforum Neustadt
11