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Rückblick OM 08
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Odilo Metzler
Ostermarschrede 2008
Liebe Friedensfreundinnen/innen,
wir haben den Ostermarsch am Deser-
teursdenkmal begonnen, erinnernd an den
Widerstand der Weißen Rose gegen Na-
zi-Deutschland und seinen Raubkrieg.
Die Scholls und andere Mitglieder der
Gruppe haben diesen Widerstand mit
dem Leben bezahlt so wie der österrei-
chische Bauer Franz Jägerstätter. Seiner
Kriegsdienstverweigerung haben wir im
Oktober am Deserteursdenkmal gedacht.
Aus der Katastrophe des letzten Welt-
Krieges wurde der Bundeswehr die Mög-
lichkeit verwehrt, Angriffskriege und
Wirtschaftskriege zu führen.
Das steht im Grundgesetz und das war
bis vor wenigen Jahren Konsens in
Deutschland.
Diesen Konsens, dass von unserem Land
aus kein Krieg für wirtschaftliche Interes-
sen geführt werden darf, hat die Bundes-
regierung mit dem Weißbuch zur Sicher-
heitspolitik vor gut einem Jahr aufgekün-
digt. Denn Wohlstandssicherung und die
Zugriffe auf Energieressourcen (wie auch
die Abwehr von Armuts-Flüchtlingen)
gehören
zum
neuen
Sicher-
heitsverständnis, das für die Bundeswehr
gelten soll. Das ist unglaublich, dass die
Bundeswehr die Aufgabe bekommen soll,
Rohstoffkriege zu führen.
Das ist ein Verfassungsbruch.
Dazu sagen wir Nein, weil so der Frie-
den in unserer Welt und die Zukunft
unseres Landes verspielt werden.
Von Deutschland geht wieder Krieg aus.
Das hat die Unterstützung unserer Behör-
den für den Irak-Krieg gezeigt. Und da-
mit kein Ende. Vor einem Jahr entschied
US-Präsident Bush, dass hier in Stuttgart,
in Möhringen, in den Kelley-Barracks
das AfriCom, die neue Kommando-
zentrale der USA für Militäreinsätze in
Afrika aufgebaut wird. Das AfriCom ist
nach dem EuCom in Vaihingen der zwei-
te Ort, wo von Stuttgart aus Kriege in an-
deren Ländern geplant werden.
Dies sind zwei Orte in Stuttgart, die
außerhalb der Nato und außerhalb des
Geltungsbereichs des Grundgesetzes
liegen.
Die USA haben versucht, ein afrikani-
sches Land zu gewinnen, in dem das
AfriCom seinen endgültigen Standort
findet. Zuletzt hat Bush das selbst ver-
sucht bei seiner Afrika-Reise im Februar.
Alle afrikanischen Regierungen haben
NEIN gesagt, weil sie befürchten, dass
ihr Land dadurch zum Brennpunkt von
Rohstoffkriegen oder Terroranschlägen
wird. Sie haben sich getraut, was sich un-
sere Regierung nicht traut: sie sagen
NEIN.
Wir stehen heute hier, weil wir uns für
eine andere Politik einsetzen, eine Politik,
die Verantwortung wahrnimmt und sich
nicht aus falscher Loyalität in Groß-
macht-Strategien hineintreiben lässt. Wir
wollen eine Politik, die Konflikte beilegt,
und nicht neue Gewalt schürt.
Die Militarisierung unserer Außen-
politik ist verantwortungslos.
Es ist verantwortungslos, Israel mit a-
tomwaffenfähigen U-Booten auszurüsten,
weil dies den Nahostkonflikt immer noch
mehr verschärft. Das gilt genauso für
Rüstungsexporte in andere Regionen.
Wir fordern hier und heute eine Politik
der Konfliktlösung, die Gegner an einen
Tisch bringt und einem Ausgleich der In-
teressen verpflichtet ist. Das gilt für Chi-
na und Tibet genauso wie für Burma und
Israel-Palästina. Wo Konflikte durch mi-
litärische Dominanz unterdrückt werden,
werden die historischen Chancen für
friedliche Lösungen zerstört. Wo nicht
mit Gegnern geredet wird, wo Besatzung,
Unterdrückung und Apartheid betrieben
werden, dürfen sich die deutsche- und eu-
ropäische Regierung nicht zu Komplizen
machen, wie es unsere Bundeskanzlerin
gerade in Israel getan hat.
Wir fordern ein sicheres Leben und ei-
ne friedvolle Zukunft für die Bevölke-
rung in Israel.
Wir fordern ebenso Freiheit für das pa-
lästinensische Volk und eine gerechte
Lebensperspektive
für seine Menschen.
Denn für beide Völker gibt es nur eine
gemeinsame Zukunft.
Das kann nicht ein landesweites Militär-
lager für die einen und ein landesweites
Gefängnis für die
anderen sein. Für eine gemeinsame Zu-
kunft beider muss deutsche und europäi-
sche Politik
Verantwortung übernehmen.
Deshalb treten wir hier ein für ein En-
de der über 40jährigen völker- rechts-
widrigen Besatzung Palästinas.
Und deshalb treten wir hier ein für die
Achtung von Menschenrechten und Völ-
kerrecht im Nahen Osten wie in den an-
deren Erdteilen, wo sie verletzt werden.
Und wir setzen auf zivile Konfliktlösung.
Ein Beitrag von Pax Christi sind zwei
Friedensfachkräfte, in Jerusalem, die ein
Netzwerk zwischen
Menschen auf beiden Seiten aufbauen.
Ähnliches machen andere Organisationen
in verschiedenen Konfliktregionen.
Doch alles deutet darauf hin, dass unsere
Regierung den Weg der Militarisierung
weiter geht. Dazu
sagen wir heute und morgen NEIN. Wir
fordern den Rückzug der Bundeswehr
aus Afghanistan.
Unsere Sicherheit wird nicht am Hindu-
kusch verteidigt, sondern der Friede wird
dort verspielt, wo immer mehr Menschen
zu wenig zum Leben haben und andere
den Kragen nicht voll genug bekommen:
in unserem Land und weltweit.
Das ist schon ein Wirtschaftskrieg oh-
ne Militär. Dazu sagen wir NEIN.
Ostermarsch heißt für Christinnen und
Christen auch, dass Gewalt nicht das letz-
te Wort hat. Ostern ist
die Hoffnung, dass jenseits der Gewalt,
des Mordens und des Todes neues Leben
entsteht, neue
Solidarität und Menschlichkeit. Vor Os-
tern wird uns das Wort Jesu in Erinne-
rung gerufen: ,,Wer zum
Schwert greift, wird durch das Schwert
umkommen." (Mt 26,52).
Ostern heißt: Es gibt eine Zukunft jen-
seits der Macht der Schwerter. Des-
halb sind wir heute hier.
Danke.
Odilo Metzler, Vorsitzender von Pax
Christi in der Diözese Rottenburg-
Stuttgart, Hochschulseelsorger
und Pastoralreferent in Stuttgart-
Hohenheim