|
Zurück zur Startseite | Zurück zur Balkan-Seite
Gedicht Degenhardt
Friedensbrief
Der Krieg hat begonnen, Deutschland macht mit
Von Franz Josef Degenhardt
Eigentlich unglaublich,
daß ihnen das immer
wieder gelingt ...
Deinem Urgroßvater
haben sie erzählt:
Gegen den Erbfeind.
Für das Vaterland.
Und er hat das tatsächlich
geglaubt.
Was hat er gekriegt?
Granatsplitter in Beine
und Kopp
vor Verdun.
Deinem Großvater sagten sie:
Gegen die slawischen Horden.
Für die abendländische Kultur.
Er hat das wirklich geglaubt.
Was hat er gekriegt?
Bauchschuß und
einen verrückten Kopp
vor Stalingrad.
Deinem Vater erzählen sie jetzt:
Gegen die Völkermörder.
Für die Menschenrechte.
Für den Frieden.
Unglaublich - er glaubt's.
Was er wohl kriegt?
Und wo wird das sein - diesmal?
junge Welt vom 25.3.99, Titelseite
Zurück zum Seitenbeginn
An einen Menschen im Kriegsgebiet
Die Militärs schicken Bomben in Ihr Land, ohne ihm den Krieg erklärt zu haben.
Ich möchte Ihnen den Frieden erklären.
Ich weiß, daß das nichts ändert, ich habe keine Macht, ich schreibe nur einfach als
Mensch.
Aber ich möchte statt Kampfflugzeugen Gedanken über die Grenzen schicken, damit Sie
erfahren, daß Menschen hier die Angriffe verurteilen und fordern, sie zu stoppen.
Ich habe als Kind den Krieg erlebt und fühle jetzt mit Ihnen.
Ich bin fassungslos, daß unser Land sich an den Angriffen beteiligt, ohne daß wir
gefragt worden sind, ohne daß wir etwas tun konnten, es zu verhindern, und ohne daß
jemand hier eigentlich will, daß Sie, die Menschen, die Zivilbevölkerung, angegriffen
werden.
Wenn wir bei Mahnwachen und Demonstrationen gegen die Luftangriffe noch wenige
sind, so liegt es daran, daß viele glauben, was offiziell gesagt wird: daß nur
militärische Gebäude getroffen werden, und daß es keine andere Möglichkeit als die
Bombardierung gebe, die Menschen im Kosovo zu schützen.
Ich bin starr vor Schrecken über diese Militärlogik, weil ich erfahren habe, daß
Menschen durch Raketen und Bomben niemals geschützt, sondern bedroht werden.
Ich will nicht schweigen zu dem, was passiert, und dadurch mitschuldig werden. Während
die Bilder von Brandbomben durch die Presse gehen, mache ich den hilflosen Versuch, weiter
Vorschläge und Methoden für nichtmilitärische Konfliktlösung zusammenzutragen. Es gibt
sie, und sie müssen endlich bekannt und praktiziert werden.
Ich bin machtlos und weiß, daß es Ihnen in dieser Situation nicht helfen kann.
Dennoch sende ich Ihnen diese Friedenserklärung als Botschaft von Mensch zu Mensch, weil
es im Bewußtsein unmerklich doch etwas ändert, wenn wir gewaltfreie Wege suchen und
verstärken und wenn wir Frieden nicht von den Schalthebeln der Macht erwarten, sondern
selbst die Hand ausstrecken:
Ich erkläre und wünsche den Frieden Ihnen, Ihrem Volk und Ihren Nachbarn
Birgit Berg
Freiburg
e-mail: birgitberg@prolink.de
Zurück zur Startseite | Zurück zum
Seitenbeginn
Letzte Änderung: 09.03.01
|