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Balkan-Seite
Bomben lindern keine Katastrophen
Zu den Luftangriffen der NATO auf
Ziele in der Bundesrepublik Jugoslawien erklären die SPD-Bundestagsabgeordneten Klaus
Barthel, Uwe Hiksch, Konrad Gilges, Konrad Kunick, Christine Lambrecht, Detlev von
Larcher, Christa Lörcher, Andrea Nahles, Günter Oesinghaus:
Mit den Luftangriffen der NATO auf die Bundesrepublik Jugoslawien wird
sich unserer Meinung nach die humanitäre Katastrophe im Kosovo nicht lindern lassen. Sie
erschweren eine politische Lösung des Konfliktes. Wir befürchten eine Verschlimmerung
der Situation.
Die Luftangriffe der NATO finden trotz der Entscheidung des Deutschen
Bundestages vom 16. Oktober 1998 unserer Ansicht nach ohne ausreichendes
völkerrechtliches Mandat statt. Wir teilen die Kritik von UN-Generalsekretär Kofi Annan,
der gestern klargestellt hat, daß kein Mandat des UN-Sicherheitsrates für diese Angriffe
vorliegt. Unser Eindruck ist, daß sich einige NATO - Regierungen auch nicht ausreichend
um ein solches Mandat bemüht haben. Die Auseinandersetzungen zwischen der Regierung der
Bundesrepublik Jugoslawien und den Kosovaren ist eine innerstaatliche Auseinandersetzung.
Die NATO hat entgegen dem NATO - Vertrag einen souveränen Staat angegriffen. Wir stellen
uns die Frage, warum sie die humanitäre Katastrophe im Kosovo als Grund für einen
Angriff sieht, nicht aber andere humanitäre Katastrophen wie z.B. in Kurdistan.
Die Zivilbevölkerung des Kosovo ist großen Gefahren ausgesetzt. Wir
wissen genau um die Verbrechen, die serbische Einheiten begangen haben, und verurteilen
sie. Und wir wissen um die Verantwortung von Slobodan Milosevic für diese Verbrechen.
Genauso verurteilen wir aber die Übergriffe und den Terror der UCK. Wir fragen vor diesem
Hintergrund auch, warum keine Anstrengungen unternommen wurden, um den Waffenzufluß aus
Albanien an die UCK zu unterbinden. Es ist bezeichnend und besorgniserregend zugleich,
daß in der Nacht der Luftangriffe die UCK serbische Einheiten angegriffen hat. Die UCK
hat ebenfalls erhebliche Verantwortung für die Eskalation der vergangenen Monate.
Die vergangenen Nacht hat eine "neue NATO" gezeigt, die wir
nicht wollen. Allen anderslautenden Erklärungen zum Trotz findet eine Kooperation mit
Rußland nicht mehr statt - im Gegenteil, Rußland wird brüskiert und vor den Kopf
gestoßen. Das wirft die Bemühungen um die kooperative Gestaltung der europäischen
Sicherheitsarchitektur zurück.
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Letzte Änderung: 09.03.01
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