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"Aktion Goldgraben"

Internationale Aktion zur Abschaffung aller Atomwaffen und zum sofortigen Stop des Krieges auf dem Balkan am NATO-Hauptquartier in Brüssel 29. Mai 1999

Die "Aktion Goldgraben" ist eine große internationale gewaltfreie Aktion an dem globalen Machtzentrum NATO-Hauptquartier in Brüssel. Sie wird, vielleicht zum Ablauf der Frist vor den Einsatz von NATO-Bodentruppen in Kosov@1), am Samstag, den 29. Mai stattfinden.

Die führenden NATO-Länder weigerten sich bisher, völkerrechtlich eingeforderte und von ihnen selbst zugesagte Verhandlungen über atomare Abrüstung zu führen. Statt dessen rücken sie durch ihre aggressive Kriegspolitik auf dem Balkan einen Atomwaffeneinsatz in bedrohliche Nähe - sowohl den weiterhin propagierten Ersteinsatz atomare Waffen durch NATO-Truppen als auch eine atomare Reaktion Rußlands. Das unter keinen Umständen zu rechtfertigende Risiko eines Dritten Weltkriegs wird aus strategischem Machtkalkül heraufbeschworen! Nur eine schnelle, radikale Umkehr von der Unkultur des Krieges zu einer Politik des Friedens wird die Vision des "Hague Appeal for Peace ", ein Jahrtausend ohne Kriege einzuleiten, ermöglichen. Schon jetzt hat die Entscheidung der NATO, ohne UNO-Mandat völkerrechtswidrig diesen Krieg zu beginnen, Erfolge der Friedensbewegungen und internationaler Friedensbemühungen der letzten Jahrzehnte zunichte gemacht. Um so wichtiger ist es, jetzt Auswege aus der Falle militärischer Dilemmas aufzuweisen und entschiedene Schritte zu tun.

1) Da "Kosovo" proserbisch und "Kosova" proalbanisch ist, verwenden wir "Kosov@".

Die "Aktion Goldgraben" ist der internationalen Friedenskonferenz "The Hague Appeal for Peace" für die sofortige Abschaffung aller Atomwaffen vom 11.-15.05.99 in Den Haag verbunden. Der direkt anschließende internationale Friedensmarsch "2000 Walk for Abolition" vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag zum NATO-Hauptquartier in Brüssel (16.-26.05.99) bildet den Übergang zu dieser direkten gewaltfreien Aktion, mit der wir die Regierenden unter starken politischen Zugzwang setzen können, auf Forderungen der Friedensbewegung einzugehen.

Mit der "Aktion Goldgraben" wird der oft vergessenen Zusammenhang von atomarer Bewaffnung und der nuklearen Kolonialisierung indigener Völker thematisiert. Wir wollen mit ihr öffentliches Bewußtsein über die atomare Kette schaffen, die den Völkermord an den Indigenen schon bei der Vorbereitung von Krieg zur Folge hat. Vielleicht schrecken wir auf, wenn wir erkennen, wie wenig Grund für moralische Überheblichkeit wir NATO-StaatlerInnen in Sachen Völkermord und Vertreibung in Wirklichkeit haben. Die ungeheuren Dimensionen von Vernichtung, Not und Elend, denen die Menschen aus dem Kosov@ heute ausgeliefert sind, fügten wir - auf Jahrzehnte verteilt - anderen bereits beim Aufbau unserer Atomwaffenarsenale zu.

Die Atomare Kette erkennen lernen 

Dieser Begriff umfaßt alle Schritte der Nukleartechnik, von Uranabbau und -anreicherung über Brennelementeproduktion für AKWs und die Wiederaufarbeitung, Transport und "End"Lagerung von Atommüll bis hin zur Atomwaffenproduktion und Atombombentests. Er verdeutlicht den oft geleugneten direkten Zusammenhang von ziviler und militärischer Nutzung der Atomtechnologie.

Uranabbau als erster Schritt der atomaren Kette wird von multinationalen Konzernen weltweit zu über 80% auf dem Land indigener Völker durchgeführt. 85% der Radioaktivität bleiben dabei ungebunden im klein gemahlenen und chemisch zersetzten Abraumgestein vor Ort zurück. Dort verseucht es Land und Wasser und setzt mehr an CO2 frei, als irgendein fossiler Brennstoff.

Uranabbau entzieht die Lebensgrundlagen von immer mehr indigenen Völkern, die aufgrund ihrer Lebensweise besonders auf eine intakte Umwelt angewiesen sind. Als Hüter ihrer Mitwelt, wie sie sich vielfach verstehen, würde ein freiwilliges Umsiedeln oder eine Vertreibung ihre kulturelle Identität zerstören. Dem radioaktiven Erbe, welches wir ihnen für viele Generationen aufbürden, können sie so nicht entkommen.

Das Selbstbestimmungsrecht indigener Völker anerkennen

Auf dem Land von Indigenen haben auch alle Atomtests stattgefunden. Wie unerklärte Atomkriege gegen ihre Völker wurden Atomtests z.B. im Pazifik bei den Maori, in Australien bei den Aborigenes, in der ehem. UdSSR bei den Kazakhs oder im US-Testgebiet auf dem Land der Western Shoshone Indianer in Nevada, durchgeführt. Weltweit wird vermehrt versucht, "End"Lager auf indigenem Land durchzusetzen. Einige der verheerendsten atomaren Unfälle sind auf ihrem Land geschehen, ohne daß die Weltöffentlichkeit davon angemessen Notiz genommen hätte: so kam es z.B. 1979 auf der Navaho Reservation am Auffangbecken einer Uranmine zu einem Dammbruch.

400 Mio. Liter radioaktiver Schlämme entleerten sich in den angrenzenden Fluß Puerto Rico. Diese `Four Corner Area', einem Vier-Staaten-Eck im Sandwüsten der USA, in dem mindestens ein Viertel aller nordamerikanischen Indianer leben, wurde von der US Regierung wegen radioaktiver Verseuchung kurzerhand zum nationalen Opfergebiet erklärt.

Wie mit indigenem Widerstand gegen diese Politik umgegangen wird, zeigt stellvertretend der Fall des weltbekannten indianischen Gefangenen Leonard Peltier vom Volk der Lakota, der seit 23 Jahren unschuldig in einem US-Gefängnis sitzt und dem trotz über 30 Mio. Unterschriften für seine Freilassung selbst die dringend benötigte Gesundheitsversorgung verweigert wird.

Weltweit über 3000 indigene Völker sind innerhalb der UNO nicht als Völker anerkannt, obwohl sie alle Kriterien hierfür - eigene Kultur, Geschichte, Sprache, etc. - erfüllen. Für sie gelten die kollektiven Menschenrechte offensichtlich nur eingeschränkt. Die BRD ist an deren Ausbeutung und Vergiftung beteiligt, indem sie Konzerne beim Rohstoffraub/-import unterstützt: z.B. wurden deutsche Urangesellschaften staatlich subventioniert, als sie in "entlegenen" Gebieten nach Uran suchten. Die Bundesregierung verweigert ihre Unterschrift unter die weltweit einzige Konvention zum Schutz indigener Rechte, die ILO-Konvention 169 mit dem Argument, in der BRD würden keine indigenen Menschen leben. Damit unterstützt sie indirekt den Genozid an diesen Völkern.

Ihr Recht auf Selbstbestimmung sowie ihre Landrechte, die z.B. in den USA in Verträgen mit indianischen Nationen festgelegt sind und zudem nach internationalem Recht volle Gültigkeit haben, werden ihnen aberkannt. So wird der (Neo-)Kolonialismus bis heute fortgesetzt.

Um zumindest Gehör zu finden haben viele indigene Völker sich seit 1982 bei der UN in einer Arbeitsgruppe für indigene "Bevölkerungen" zusammengefunden. Andere haben sich in der "Unrepresented Nations and Peoples Organisations" (UNPO), eine Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Den Haag, eine Art UNO von unten, zusammengeschlossen. Unsere Forderungen nach der Abschaffung aller Atomwaffen, dem sofortigen Ausstieg aus der Atomindustrie und dem Stop des nuklearen Kolonialismus stehen in Solidarität mit den Forderungen der indigenen Völker nach Anerkennung ihrer kollektiven Landrechte.

Den Krieg und Vertreibung im Kosov@ stoppen - NATO raus aus dem Balkan

Unsere internationalen Bemühungen um atomare Abrüstung sind mit dem völkerrechtswidrigen NATO-Einsatz auf dem Balkan schwer getroffen. Wir wollen der gegenwärtigen US-Atomwaffen-Doktrin nicht folgen, die laut einer Veröffentlichung des Strategischen Kommandos der USA eine Politik der atomaren Verunsicherung beabsichtigt, ja sogar den Eindruck von irrationalem Handeln und Rachsucht erwecken soll. Mißliebige Regierungschefs sollen darüber in Ungewißheit gehalten werden, ob und unter welchen Umständen es zum Atomwaffeneinsatz gegen ihr Land kommen könnte. Derartiges taktisches Kalkül mit Atomwaffeneinsätzen, etwa gegen Serbien oder in einem Atomkrieg zwischen NATO und Rußland, halten wir schlicht für wahnsinnig. Wir wollen unser aller Existenz nicht zur Manöveriermasse der Regierenden machen lassen!

Heute werden im Kosov@ radioaktive Waffen eingesetzt. Mit angereichertem Uran versetzte Munition wird von Apache-Hubschraubern und A-10-Tieffliegern der US-Luftwaffe in Salven von 4200 Schuß pro Minute abgefeuert. 1987 versuchte der Honeywell-Konzern diese Waffen in den Black Hills, den heiligen Bergen der Lakota, Cheyenne und Arapaho, zu testen, nachdem wegen radioaktiver und chemischer Verseuchung des Grundwassers der Staat Minnesota die Tests dort untersagt hatte. Die gesundheitlichen Auswirkungen auf die Bevölkerung und Soldaten im Kosov@, aber auch die radioaktive Verseuchung der Region für viele Jahre, werden enorm sein. Gerichtliche Klagen mehrerer tausend US-Soldaten des Golfkrieges, die unter dem Golf-Syndrom leiden, gegen den Einsatz dieser Munition, lassen den Balkan-Krieg "zum Schutz der Menschenrechte" einmal mehr als zynisch erscheinen. Die atomare Kette schließt sich wieder, wo der Bombenrohstoff Uran vom Land der Indigenen seine kriegerische Verwendung im Kosov@ findet.

Unsere Forderung nach Aufwertung und Weiterentwicklung der UNO trifft sich mit den Prophezeiungen der 'spirituellen Ältesten' indigener Völker, u.a. der Hopi (nicht zu verwechseln mit nach geistlicher Vorherrschaft strebenden christlichen Führern), die 1992 der UN-Generalversammlung überbracht wurden. Sie besagen, daß eines Tages die FührerInnen der Welt gleichwertig zusammenkommen müssen, um Übereinkünfte für die Lösung der Weltprobleme ohne Kriege zu treffen. Ihre Visionen besagen, auch eine 'spirituelle UNO' zu entwickeln. Sollte dies nicht gelingen, könnte daran die Menschheit zugrunde gehen. Die internationale UN-Dekade der indigenen Völker von 1995-2004 soll von der UNO ebenso wie das Jahr 2000, dem internationalen UN-Jahr für Frieden und Kultur, für deren Weiterentwicklung genutzt werden.

"Aktion Goldgraben": Trainings, Camp und Gewaltfreie Aktion

Unsere Vision von einer freien, nicht länger von der atomaren Kette bedrohten Zukunft und einer humanen Welt, in der alle Menschen ohne Zwang und Gewalt leben können, werden wir in unserer Widerstandsformen ausdrücken. Die Mittel, die wir einsetzen, müssen mit unseren Zielen übereinstimmen. Daher ist für uns Gewaltfreiheit ein Grundprinzip der politischen Auseinandersetzung. Dies schließt die Achtung vor dem Leben, der Gesundheit und der Würde unserer KonfliktgegnerInnen ebenso ein wie die Lebensfreude und Kreativität, mit der wir entschlossen den nötigen politischen Druck erzeugen wollen.

Wir müssen damit rechnen, daß unsere Klarheit und Entschlossenheit zur gewaltfreien Aktion mit polizeilicher Gewalt begegnet wird. Daher werden bereits während des "2000 Walk for Abolition" und während eines viertägigen Camps in Brüssel die gemeinsamen Vorbereitungen beginnen. Es werden Bezugsgruppen gebildet und verbindliche Absprachen getroffen, Trainings in gewaltfreier Aktion schulen in Grundfragen zur Gewaltfreiheit, schneller Entscheidungsfindung im Konsens, dem Umgang mit Ängsten und helfen, eine kraftvolle innere Haltung zu erlangen. Auch juristischer Beistand wird vor Ort sein.

Bei unserer Aktion in Brüssel werden wir wohlüberlegt und öffentlich vor, auf und unter dem NATO-Hauptquartier mit hunderten von Menschen nach dem für Rüstung und Militär vergeudeten "Goldschatz" graben, so wie auf dem Land der Indigenen ohne ihre Zustimmung nach Bodenschätzen gegraben wird. Damit setzen wir ein Zeichen gegen die permanente Mißachtung und Verletzung ihrer kollektiven Land- und Menschenrechte sowie für unsere Vision, den "geraubten Goldschatz" eines Tages an die Beraubten zurückzugeben.

Anmeldungen & Informationen

"Aktion Goldgraben"
GAAA - Gewaltfreie Aktion Atomwaffen abschaffen
Lenzhalde 53, 70806 Kornwestheim
Tel. 07154/ 22026, Fax 07154/ 186643
Spendenkonto: Ökobank Frankfurt/M., Konto-Nr. 160 369, BLZ 500 901 00

Die "Aktion Goldgraben" wird für die Aktivitäten vor Ort eine Menge Geld kosten. Hierfür, und für die Unterstützung von Delegierten indigener Völker (Reisekosten, etc.), die bei der Aktion teilnehmen und sprechen werden, bitten wir um Spenden.

"2000 Walk for Abolition"
For Mother Earth International Office
Lange Steenstraat 16-d, B-9000 Gent, Belgien
Tel. +32/ 9/ 2337302

Rückmeldung

Ich/Wir nehme/n an der "Aktion Goldgraben" am NATO-Hauptquartier teil.

Ich/Wir kann/können folgende organisatorische Aufgaben in Brüssel übernehmen (zutreffendes bitte deutlich unterstreichen):

Polizeikontakt/ Pressearbeit/ Moderation/ SanitäterIn/ Kinderbetreuung/ Dolmetschen/Computerarbeiten/ Aufbau/Abbau des Camps

Ich/Wir kann/können folgendes Material zur Verfügung stellen:

Handies/ Computerausrüstung/ (Klein-)Bus/ PKW/ Fahrrad/ Anhänger

Ich/Wir komme/n am ...... mit ......Personen

Ich/Wir chartern einen Bus/ fahren mit dem eigenen Auto/ haben noch ...... Plätze frei

Ich/Wir unterstützen obigen Aufruf und wollen in weiteren Anzeige (in einer überregionalen Zeitung) genannt werden

Dafür überweise/n ich/wir 10 DM (Einzelperson), 20 DM (Gruppe) auf Euer Konto

Ich/Wir übernehme/n eine Bürgschaft für den Fall gerichtlicher Schadensersatzforderungen in Höhe von .........

Ich/Wir benötige/n eine Musterpresseerklärung

Ich /Wir benötige/n noch ...... Flugblätter

Gruppe, Organisation:
Vor-, Name:
Adresse:
Tel/Fax/Email:
Datum, Unterschrift:

Marc Wiemers
Rodenbergstrasse 12
10439 Berlin


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Letzte Änderung: 17.03.04