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SPD-Landesvorstand Bayern plädiert für politische Initiative
und sofortige Feuerpause im Kosovo-Konflikt
- Der SPD-Landesvorstand Bayern begrüßt die politische Friedensinitiative der
Bundesregierung und fordert die Bundesregierung auf, auf dieser Basis eine gemeinsame
Initiative der EU zu formulieren und diese mit den USA zu verwirklichen. Wesentliche
Bestandteile dieser Initiative müssen die Einbeziehung Rußlands als wichtiger
Bestandteil jeder europäischen Friedensordnung und die Verantwortung der UN und der OSZE
sein.
- Der SPD-Landesvorstand fordert eine unverzügliche, befristete und überwachte
Feuerpause der NATO, ein Ende der Vertreibungen und ein Ende der Übergriffe auf die
Bevölkerung durch die kriegführenden Parteien im Kosovo. Ziel der Feuerpause muß die
Aufnahme von Waffenstillstandsverhandlungen und die Durchführung der humanitären Hilfe
für die Flüchtlinge sein. Ein dauerhafter Waffenstillstand muß an die folgenden
Bedingungen geknüpft werden: Einstellung der Vertreibungen, Beginn der Rückführung der
Flüchtlinge, Beginn der Entwaffnung der UCK und der paramilitärischen Einheiten
Jugoslawiens und der Demilitarisierung des Kosovo.
- Der SPD-Landesvorstand fordert die Bundesregierung und die SPD-Bundestagsabgeordneten
auf, einem Kampfeinsatz von Bodentruppen im Kosovo unter allen Umständen eine Absage zu
erteilen. Die Bundeswehr darf unter keinen Umständen an Bodeneinsätzen beteiligt werden.
Insbesondere die deutschen Soldaten wären eine willkommene Provokation für die
politische Führung in Serbien und würden so einer besonderen Gefahr ausgesetzt.
- Der SPD-Landesvorstand unterstreicht die Forderung nach der Einberufung einer Konferenz
unter dem Dach der OSZE mit dem Ziel, Minderheiten- und Grenzfragen zu lösen sowie die
Demokratisierungsprozesse und die Bekämpfung der Armut in dieser Region unter Einschluß
aller Beteiligten voranzutreiben. Im Rahmen dieser Konferenz müssen Strukturen entwickelt
werden, die gewährleisten, daß die Minderheiten- und Menschenrechte aller im Kosovo
lebenden Personen geachtet und geschützt werden und die Vertriebenen sicher in ihre
Heimat zurückkehren können. In Zusammenhang mit dieser Konferenz sollte eine
Regionalagentur für die Bundesrepublik Jugoslawien, Mazedonien (FYROM), Albanien,
Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Kroatien, Bosnien-Herzegowina (Föderation und Rep. Srbska)
und Griechenland geschaffen werden, die unter Beteiligung und Unterstützung durch die EU
der Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung der Region dient und bei der Verwaltung
und Verteilung eines von der UNO und der EU aufgelegten Marshall-Plans mitwirkt.
Um die Einstellung der Kampfhandlung und die Einhaltung eines neuen Abkommens abzusichern,
ist die Einbeziehung einer OSZE/UN-Schutztruppe im Kosovo unumgänglich. Diese Truppe
sollte möglichst vorwiegend aus Einheiten von Staaten bestehen, die nicht an den
Kampfhandlungen in Jugoslawien beteiligt sind.
- Der Landesvorstand sieht sich durch die jüngsten Entwicklungen in seiner anhaltenden
Forderung nach einer Reform der Vereinten Nationen bestätigt, um die Handlungsfähigkeit
der Staatengemeinschaft zur frühzeitigen Feststellung und wirksamen Beilegung von
Konflikten zu verbessern. Er fordert die Bundesregierung auf, im Sinne des von der
SPD-Fraktion im 13. Deutschen Bundestag eingebrachten und von der konservativen Mehrheit
abgelehnten Gesetzentwurfs zur Reform der VN tätig zu werden.
Der SPD-Landesvorstand richtet die eindringliche Aufforderung an die Bundesregierung
und die Bundestagsfraktion, die auch im Kosovo-Konflikt wieder zutage tretende
entscheidende Lehre zu ziehen und alle vorhandenen Möglichkeiten zu nutzen, um national,
in der EU und in den VN eine Politik durchzusetzen, die vorbehaltlos und weltweit der
Förderung demokratischer Prozesse und der Bekämpfung der Armut gewidmet ist und
Menschenrechte nicht unter dem Gesichtspunkt der Opportunität behandelt.
Nur Gerechtigkeit schafft Frieden. Den Konsequenzen aus dieser Erkenntnis hat sich jede
Entscheidung auch der sozialdemokratisch geführten Bundesregierung unterzuordnen.
Beschlossen vom SPD-Landesvorstand Bayern am 17. April 1999
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Letzte Änderung: 09.03.01
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